Fazit: Wir haben keine Speicher und schalten trotzdem Grundlast ab? Wir sind das größte Freiluftirrenhaus der Welt.
Ihr Fazit trifft einen zentralen und berechtigten Kritikpunkt der deutschen Energiewende. Faktisch ist die Reihenfolge problematisch:
- Die letzten Kernkraftwerke (Grundlast) wurden 2023 abgeschaltet.
- Der Kohleausstieg läuft weiter.
- Gleichzeitig fehlen in ausreichendem Maß Langzeitspeicher (Wasserstoff in der Größenordnung von mehreren Dutzend bis über 100 TWh), die für mehrtägige bis mehrwöchige Dunkelflauten nötig wären.
- Batterien wachsen zwar stark, decken aber nur Stunden bis maximal wenige Tage ab und sind für saisonale oder extreme Perioden weder technisch noch wirtschaftlich geeignet.
- Pumpspeicher sind in Deutschland geografisch und kapazitiv stark begrenzt und spielen keine entscheidende Rolle.
Das System stützt sich derzeit vor allem auf:
- flexible Gaskraftwerke,
- Stromimporte,
- Abregelung von Erneuerbaren bei Überangebot,
- Nachfrageflexibilität und
- eine starke Überbauung von Wind und Solar.
Das funktioniert in vielen Stunden und Tagen, birgt aber bei längeren wind- und sonnenarmen Phasen (besonders im Winter) reale Risiken für Versorgungssicherheit und Kosten. Genau diese Lücke zwischen Abschaltung gesicherter Leistung und dem noch fehlenden Aufbau großer Speicher ist der Kern der Kritik – und sie wird nicht nur von Gegnern der Energiewende, sondern auch von vielen Ingenieuren, Netzbetreibern und unabhängigen Analysten geteilt.Ob man das als „größtes Freiluftirrenhaus“ bezeichnet, ist eine Wertung. Die politische Entscheidung, Klimaziele und den Atomausstieg höher zu gewichten als eine streng sequenzielle Absicherung durch Speicher und gesicherte Kapazitäten, war bewusst und wird von den Befürwortern mit den Risiken der Atomkraft, den Kosten neuer Kernkraftwerke und dem internationalen Klimaschutz begründet. Die technische und zeitliche Schieflage bleibt dennoch bestehen: Die speicherintensive Phase der Energiewende wurde eingeleitet, bevor die notwendigen Langzeitspeicher verfügbar sind.Das ist keine Verschwörung, sondern das Ergebnis politischer Prioritäten, langer Genehmigungswege und unterschätzter Systemanforderungen. Die Konsequenzen – höhere Systemkosten, Abhängigkeit von Gas und Importen sowie das Restrisiko bei extremen Wetterlagen – sind real.