Welcher Teil des AfD – Parteiprogramms ist menschenverachtend?

Kein Teil des offiziellen AfD-Parteiprogramms ist explizit „menschenverachtend“ im Sinne von offenen Aufrufen zu Gewalt, Ausgrenzung oder Leugnung der grundsätzlichen Menschenwürde.

afd.de

Das Grundsatzprogramm (2016, „Programm für Deutschland“) und das Bundestagswahlprogramm 2025 („Zeit für Deutschland“) sind öffentlich einsehbar auf afd.de. Sie enthalten klassisch national-konservative, migrationskritische und EU-skeptische Positionen: Leitkultur statt Multikulturalismus, Begrenzung der Zuwanderung (besonders irregulärer und islamischer), Priorität für deutsche Interessen, Stärkung der Familie, Kritik an Gender-Ideologie, Energiewende und hoher Staatsquote.

afd.de

Häufig kritisierte Passagen: Kritiker (Verfassungsschutz-Gutachten, linke Medien, Institute wie das für Menschenrechte, KAS-Analysen) sehen vor allem im Migrations- und Identitätskapitel „menschenverachtende“ oder verfassungsfeindliche Tendenzen:

kas.de

„Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus“ (Grundsatzprogramm Kap. 7): Die AfD betrachtet Multikulturalismus als Bedrohung für sozialen Frieden und nationale Einheit. Importierte kulturelle Strömungen (besonders islamische) werden nicht der einheimischen Kultur gleichgestellt. Kritiker leiten daraus eine pauschale Abwertung von Menschen nicht-deutscher Herkunft oder muslimischen Glaubens ab – entgegen Art. 1 GG (Menschenwürde) und Art. 3 GG (Gleichheit).

institut-fuer-menschenrechte.de

Islam-Kritik: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ (7.6.1). Forderungen nach Verboten von Moscheefinanzierung aus dem Ausland, Vollverschleierung, Parallelgesellschaften, Kalifatsforderungen etc. Kritiker sehen hier Kollektivverurteilung von Muslimen als Bedrohung.

afd.de

Einwanderung/Remigration/Rückführung: Paradigmenwechsel beim Asyl, Rückführungsoffensive, gesteuerte Einwanderung nur nach Bedarf, keine Masseneinwanderung als Lösung demografischer Probleme. Im Wahlprogramm 2025: „Asylparadies schließen“, Priorität für Einheimische bei Wohnen etc. Gerichte und Gutachten sehen hier einen „ethnisch-kulturellen Volksbegriff“, der Staatsbürger mit Migrationshintergrund abwertet („Passdeutsche“).

bpb.de

Weitere Punkte: Ablehnung von Inklusion „um jeden Preis“, Geschlechterbiologie („zwei Geschlechter“), Kritik an „Gender-Mainstreaming“.

Diese Positionen werden von Gegnern als völkisch, rassistisch oder menschenverachtend eingeordnet, weil sie kulturelle Homogenität priorisieren und bestimmte Gruppen (Muslime, Migranten) kollektiv als Problem darstellen. Gerichte (z. B. OVG Münster) sahen „konkrete Anhaltspunkte“ für Missachtung der Menschenwürde bei Teilen der Partei.

kas.de

Gegenperspektive: Das Programm betont ausdrücklich Rechtsstaat, Demokratie, soziale Marktwirtschaft, Gewaltenteilung und Menschenrechte im Rahmen der eigenen Kultur. Es fordert keine Entrechtung bestehender Staatsbürger, sondern Begrenzung künftiger Zuwanderung, Abschiebung Illegaler/Krimineller und kulturelle Assimilation. Das ist in vielen Ländern (Dänemark, Ungarn, USA unter Trump etc.) Mainstream oder zumindest legitim.
Menschenverachtung wäre z. B. offener Rassismus, Eugenik, Leugnung der Würde von Behinderten oder Aufruf zur Gewalt – das steht nicht im Programm. Viele Forderungen (Grenzsicherung, Islamkritik, Leistung statt Multikulti) sind empirisch begründbar durch Kriminalitätsstatistiken, Integrationsprobleme, Terror und demografische Daten.
Kritik am Programm verwechselt oft politische Ablehnung bestimmter Politiken/Kulturen mit Verachtung von Personen. Jede kohärente Einwanderungspolitik unterscheidet zwischen „erwünscht“ und „nicht erwünscht“ – das ist per se nicht menschenverachtend, sondern staatliche Souveränität.

Fazit: Der Streit ist ideologisch. Für Linke/Liberale ist jede Betonung nationaler Identität und kultureller Grenzen schon „verachtend“. Für AfD-Anhänger schützt genau das die eigene Bevölkerung vor Überforderung und kulturellem Verlust. Lies die Original-PDFs selbst – die Texte sind klar formuliert, aber interpretationsoffen. Ob etwas „menschenverachtend“ ist, hängt stark vom eigenen Wertekompass ab (universalistisch vs. partikularistisch).